Ein dumpfer Schlag, ein kurzes Zischen – dann ruft jemand: „Xotx!“ (gesprochen etwa: Tschotsch!) Für einen Moment hält alles inne. Dann strömen Menschen mit einem Glas in der Hand zum Ort des Geschehens und stellen sich an, um einen Schluck des aus dem frisch geöffneten Fass strömenden Apfelweins zu ergattern. So beginnt das Sidra-Jahr im Baskenland mit der traditionellen Xotx-Zeremonie. Die Region im Norden Spaniens ist in diesem Jahr Ehrengast auf der Cider World-Messe in Frankfurt. 

Cider World

Hier ist Zielsicherheit gefragt: Beim „Xotx“ schießt der Apfelwein direkt aus dem Fass ins Glas. Aber immer nur ein Schluck, der Frische zuliebe.  

Im Baskenland, ganz besonders in der Gipuzkoa genannten Gegend um die Stadt San Sebastián, ist man Stolz auf das kulinarische Erbe und die hohe Qualität der hier erzeugten Lebensmittel. Nicht zufällig gibt es nirgendwo in Europa – gemessen an der Einwohnerzahl – mehr Sternerestaurants. Wichtiger Teil dieser Kultur ist der Apfelwein, allein in Gipuzkoa gibt es rund 60-70 aktive Sidrerías. 

Anstellen für jeden Schluck

In ihren Kellern findet jeweils zum Jahresbeginn das Xotx-Ritual statt, wenn der nach traditioneller Methode hergestellte, naturbelassene Apfelwein („Sagardua“) erstmals zusammen mit einem guten Essen verkostet wird. Und das ist wirklich ein kommunikatives Erlebnis, denn im Glas landet der Frische wegen immer nur ein Schluck – ist er leer, stellt man sich wieder hinten an und hat viel Zeit, mit den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen.   

Kantiger Apfelwein, rohe Gastronomie

Der baskische Apfelwein hat nichts Süßliches, er schmeckt trocken, säuerlich, kantig. Dazu gibt es fette Wurst, Anchovis oder auch Stockfisch und fast rohes Fleisch vom Grill. Zum Abschluss Manchego mit Quittenmarmelade und Walnüssen. Es ist eine rohe, ursprüngliche Art der Gastronomie, der Abend kann sich über Stunden ziehen und immer wieder trifft man sich am Sidra-Fass, fachsimpelt mit Fremden, die auf diese Weise zu schnell zu Freunden werden. In der Region rund um San Sebastián gehört diese Form des Zusammenseins seit Jahrhunderten zum Winter. Wenn die neue Sidra aus den Fässern kommt, öffnen die Keller ihre Türen.

XOTX<br />

Zur Cider World in Frankfurt präsentieren die baskischen Sagardotegias ihre kulinarische Kultur und ihre Apfelweine in Frankfurt. 

Xotx am Main

Jetzt können auch die Apfelweinfreunde in Deutschland einen Hauch von „Xotx“ erleben: „Wir freuen uns sehr, dass wir das Baskenland und die Region Gipuzkoa endlich – im zweiten Anlauf nach 2020 – als Ehrengast in Frankfurt begrüßen können“, sagt Michael Stöckl, Chef der Cider World, die an diesem Wochenende wieder „Stöffche-Fans“ aus ganz Hessen und darüber hinaus in die Mainmetropole lockt. Als eine der weltweit wichtigsten Veranstaltungen rund um Apfelwein, Cider, Cidre und Sidra präsentiert die Messe auch in diesem Jahr wieder vom 16. bis 18. April im Gesellschaftshaus am Palmengarten etwa 80 Aussteller aus mehr als einem Dutzend Ländern, darunter die Sidrerías Petritegi, Zapiain und Gurutzeta aus Gizpuoka. Neben Verkostungen für Fachpublikum und Besucher gibt es Vorträge zu Themen wie Fermentation, Vermarktung und Food Pairing sowie Stadtführungen und Exkursionen ins Herz der hessischen Apfelweinwirtschaft. 

Cider World feiert den Apfelwein

Dabei versteht sich die Cider World nicht nur als Plattform für Netzwerk und Professionalisierung in der Branche, sondern auch als Bühne für alte Apfelsorten, An- und Ausbaumethoden sowie regionale Keltereien. Zu den Höhepunkten gehört die Prämierung der überzeugendsten Produkte und ihrer Macher bei den World Cider Awards. Für Fachpublikum öffnet die Ausstellung am 18. April um 12 Uhr, für alle anderen Besucher um 14.30 Uhr. Tickets kosten 27 Euro.